Kapelle der Versöhnung
ERLÄUTERUNGEN für den GemeindeKirchenRat
September 1998

Lage und Möglichkeiten der Umgebungsentwicklung Lage und Möglichkeiten der Umgebungsentwicklung Lage und Möglichkeiten der Umgebungsentwicklung

reitermann /sassenroth architekten - September 1998

Zwei Gedankenfolgen bestimmen den Entwurf. Die eine betrachtet stadträumliche Fragen, die andere das Objekt, den eigentlichen Gottesdienstraum.

1. DIE OBJEKTBEZOGENE GEDANKENFOLGE
Der Gottesdienstraum ist, ausgehend vom Kreis als Versammlungsform und in Anlehnung an traditionelle Kirchengrundrisse, entwickelt worden. Die Elemente Chor, Hauptschiff und Vorhalle werden übersetzt durch Ausstülpungen und Dehnungen sowie zonierende Einbauten. Um diesen ovalen Baukörper spannt sich eine zweite Haut, die einen ringförmi-gen Raum um den inneren Körper formuliert. Dieser Raum bildet eine Übergangs- oder Vorzone auf dem Weg von der "Außenwelt" über einen Schwellenraum in den Kern des Gebäudes, den Gottesdienstraum.

2. DIE STADTRÄUMLICHE GEDANKENFOLGE
Die Besonderheit des Freiraumes auf dem Grundstück der alten Kirche soll auch bei künftig verdichteter Bebauung erhalten bleiben. Die neue, erheblich kleinere Kapelle wird im hinteren Grundstücksbereich und neben der Mittelachse der alten Kirche errichtet. Der Baukörper läßt der ehemaligen Kirche Raum, deren Fundamente im Erdreich noch vorhanden sind und kenntlich gemacht werden. Den Eingang an der Bernauer Straße markiert eine Glockenstube, in der die alten, geretteten Glocken wieder läuten.

Formentwicklung 1 Formentwicklung 2

3. DER GEBÄUDEENTWURF
Der innere Körper - der Lehmkörper
Die Stellung des Kerns wird bestimmt durch die Lage des alten Altars. Die Ausrichtung des ovalen Kirchenraumes folgt aus der Verschneidung der Ostung der neuen Kapelle und der Achse der ehemaligen Kirche, die in eine Raumnische außerhalb des Ovals mündet und das gerettete Altarbild der zerstörten Kirche aufnimmt. Der innere Körper des Gottesdienstraumes wird von einer massiven Lehmwand umschlossen. Sie unterstützt die Kon-zentration, die von der Geometrie des Raumes ausgeht. Der Stampflehm ist selbsttragend und hat eine Stärke von 60 cm. Der Lehm wird wie Gußmaterial verwendet und bleibt innen und außen sichtbar.
Die äußere Schale - der Holzkörper
Außenhaut und Dach sind als Holzkonstruktion konzipiert. Durch ihr Stabwerk wirkt sie als leichte Hülle und bildet einen starken Kontrast zur massiven Lehmwand des inneren Kerns. Durch den sich kontinuierlich verändernden Abstand von Kern und Schale entsteht Raum für unterschiedliche Nutzungen: Vorhalle, Aufenthalt vor und nach dem Gottesdienst, Sakristei. Die äußere Schale umhüllt den inneren Kern, läßt ihn aber nach außen ablesbar erscheinen. Diese Wirkung wird durch eine Fassade aus Holzlamellen erzielt. Ihre unterschiedlich dichte Anordnung variiert die Transparenz der Schale innerhalb eines homogenen Systems.

© Fotos und Pläne: reitermann/sassenroth

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